LOKALE AGENDA 21
Lokale Agenda 21 findet sich in Kanzem auf keinem Papier und in keinem Gemeinderatsbeschluss, ist jedoch seit 1994 durchgehendes Prinzip bei allen gemeindlichen Entscheidungen und Projekten. Ein Projekt wird dann befürwortet und realisiert, wenn es
1.) den Bedürfnissen der Einwohner entspricht
2.) zum Leitbild der Gemeinde passt
3.) zukunftsbeständig ist und
4.) auf den ganzheitlichen Aspekt der Dorfentwicklung abgestellt ist.
zu 1.)
Bedürfnisse der Einwohner werden in Kanzem systematisch durch Befragungen oder Bürgerversammlungen erfasst. Hinsichtlich der Ausweisung neuer Baugebiete oder der Wünsche, die das Kursangebot der Volkshochschule betreffen, wurden Erhebungen mittels Fragebogen durchgeführt. Wünsche von Kindern und Jugendlichen sowie Meinung, Kritik, Anregungen zu bisherigen und weiter geplanten Dorfentwicklungsmaßnahmen wurden bzw. werden bei Ideenwerkstätten, Einwohnerversammlungen oder speziellen Informationsveranstaltungen erfasst und miteinander diskutiert.
zu 2.)
Basierend auf den Funktionen „Fremdenverkehr“ und „Landwirtschaft“ gemäß Flächennutzungsplan wurde als Leitbild der Gemeinde entwickelt: die Kulturlandschaft und Tradition des Dorfes zu erhalten und in den Bereichen sanfter Tourismus, Weinbau, Ortsbild sowie Pflege der Kultur Verbesserungen zu erzielen.
Beispielsweise wollen wir mehrstöckige Mietskasernen, Blockhäuser oder Dächer mit blauen Ziegeln vermeiden und statt dessen den Sinn für regionaltypische Bauweise und Erhalt alter Bausubstanz pflegen; wir lassen uns den behaglichen Dorfcharakter nicht gefährden durch mit Bauboom und Überfremdung verbundener Ausweisung großer Neubaugebiete; wir können dem Massentourismus nichts abgewinnen, sondern setzen auf umweltverträglichen, naturverbundenem Individualtourismus.
zu 3.)
Hier geht es um die Vermeidung von planlosem, kurzsichtigem und kurzfristigem Aktionismus. Wenn Lokale Agenda 21 von Nachhaltigkeit spricht, bedeutet dies die Umsetzung von Konzepten, die in die Zukunft gerichtet sind, langfristig Bestand und Gültigkeit haben und speziell für Kanzem von essentieller Bedeutung sind.
zu 4.)
Wir versuchen, in Kanzem nicht in Einzelsektoren zu denken: hier Wirtschaft – dort Kultur, hier die Winzer – dort die Umwelt, sondern streben ganzheitliches Denken, Planen, Wollen und Umsetzen an. So verbinden wir beispielsweise an den Tagen der offenen Weingüter am ersten Wochenende im September die Felder Winzer-Wein-Wirtschaft-Kultur-Handwerk-Tourismus-Gastronomie.
Gleichzeitig veranstaltet die Ortsgemeinde auf dem Kronenplatz die inzwischen traditionelle Flohmarktaktion "Kanzem räumt"; der Erlös aus umsatzabhängigen Standgeldern sowie Kuchen- und Getränkeverkauf fließt unmittelbar in die Jugendarbeit;
automatisch ist die übrige Gastronomie in die Veranstaltung mit einbezogen bzw. profitiert ebenfalls davon.


